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Motoröl-Freigaben und Spezifikationen erklärt

ACEA, API, ILSAC, Longlife, Low-SAPS, SAE-Viskosität und die wichtigsten Hersteller-Normen – verständlich erklärt für Werkstatt, Fuhrpark und Landwirtschaft.

  • Ratgeber für die Praxis
  • Datenblätter richtig lesen
Klassen
ACEA A/B, C, E, F · API S, C, FA · ILSAC GF
Hersteller-Normen
VW, MB, BMW, Ford, Opel, PSA, Renault, FCA, MAN, Volvo, Scania, John Deere, CNH
Viskosität
SAE 0W-20 bis 15W-40, HTHS

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Was ist eine Motoröl-Freigabe?

Eine Freigabe ist die Bestätigung eines Fahrzeug- oder Motorenherstellers, dass ein konkretes Öl seine hausinterne Norm erfüllt und in seinen Motoren eingesetzt werden darf. Die Norm trägt meist eine Nummer – VW 504.00, MB 229.51, BMW Longlife-04, MAN M 3477, John Deere JDM J20C. Sie baut auf den Industriespezifikationen von ACEA (Europa), API (USA) oder ILSAC (Asien/USA) auf und ergänzt sie um herstellerspezifische Prüfläufe.

Im Datenblatt eines Öls stehen deshalb zwei Arten von Angaben: die Spezifikationen (ACEA C3, API SP) und die Hersteller-Freigaben bzw. Leistungsklassen. Für die Auswahl gilt: Nennt die Betriebsanleitung eine Hersteller-Norm, ist diese maßgeblich; nennt sie nur eine ACEA/API-Klasse, reicht ein Öl dieser Klasse in der passenden Viskosität.

ACEA-Klassen für PKW und Transporter

ACEA A3/B4 Vollwertige Öle für Benziner (A) und Direkteinspritzer-Diesel (B) ohne Partikelfilter, HTHS ≥ 3,5 mPa·s – typisch 5W-40, 10W-40.
ACEA A5/B5 Leichtlauföle mit abgesenkter HTHS-Viskosität (2,9–3,5) für Motoren, die dafür freigegeben sind (z. B. Ford, Volvo, Jaguar) – typisch 5W-30.
ACEA C1 Low-SAPS (≤ 0,5 % Sulfatasche), HTHS ≥ 2,9 – ältere Klasse für Ford/JLR-Diesel mit Partikelfilter.
ACEA C2 Mid-SAPS (≤ 0,8 % Asche), HTHS ≥ 2,9 – kraftstoffsparend, typisch für PSA, Ford, Toyota, Fiat.
ACEA C3 Mid-SAPS (≤ 0,8 % Asche), HTHS ≥ 3,5 – die meistgeforderte Klasse für Diesel und Benziner mit Partikelfilter (VW 504/507, MB 229.51, BMW LL-04, dexos2).
ACEA C4 Low-SAPS (≤ 0,5 % Asche), HTHS ≥ 3,5 – vor allem Renault RN 0720 und MB 226.51.
ACEA C5 Mid-SAPS, HTHS 2,6–2,9 – niedrigviskose 0W-20 für neuere Motoren (VW 508/509, Porsche C20, MB 229.71, BMW LL-17 FE+).
ACEA C6 Wie C5 mit zusätzlichen Prüfungen (Vorentflammung, Kettenverschleiß) – seit 2021 für neueste 0W-20-Freigaben (MB 229.72).

ACEA-Klassen für Nutzfahrzeuge

ACEA E7 Standardklasse für Euro III bis V ohne Partikelfilter – typisch 15W-40 und 10W-40 (MB 228.3, MAN M 3275, Volvo VDS-3).
ACEA E4 Long-Drain-Klasse für Motoren ohne Partikelfilter (MB 228.5, MAN M 3277, Renault RLD-2, Scania LDF-3).
ACEA E6 Low-SAPS (≤ 1 % Asche) mit Long-Drain für Motoren mit Partikelfilter und SCR (MB 228.51, MAN M 3477/M 3677, Scania LDF-4).
ACEA E9 Low-SAPS mit Standardintervall für Euro IV bis VI (MB 228.31, MAN M 3575, Volvo VDS-4/4.5, Renault RLD-3, Scania Low Ash).
ACEA E8 / E11 Nachfolger von E6 (E8) und E9 (E11) aus den ACEA-Sequenzen 2022 mit strengeren Prüfungen; MAN M 3775 baut darauf auf.
ACEA F01 Kraftstoffsparende Klasse mit reduzierter HTHS-Viskosität (5W-30) – nur für Motoren mit ausdrücklicher Freigabe (MB 228.61, Volvo VDS-5, Renault RLD-5).

API- und ILSAC-Klassen

API SN / SN Plus Benzinmotorenöle ab 2010; SN Plus (2018) mit Schutz vor Vorentflammung (LSPI) bei Turbo-Direkteinspritzern.
API SP Aktuelle Benzin-Klasse (2020) mit LSPI-Schutz, Kettenverschleiß- und Ablagerungsprüfungen; SQ ist die Nachfolgeklasse ab 2025.
ILSAC GF-6A / GF-6B Kraftstoffsparende Benzin-Klassen (2020); GF-6B nur für 0W-16. GF-7A/GF-7B folgen ab 2025. Typisch für asiatische und US-Hersteller.
API CI-4 / CH-4 Heavy-Duty-Dieselöle für Motoren ohne Partikelfilter (bis Euro V/EPA 2004).
API CJ-4 Low-SAPS-Klasse (2006) für Dieselmotoren mit Partikelfilter.
API CK-4 Aktuelle Heavy-Duty-Klasse (2017), abwärtskompatibel zu CJ-4/CI-4, mit besserer Oxidations- und Scherstabilität.
API FA-4 Kraftstoffsparende Klasse (2017) mit niedriger HTHS-Viskosität – nicht abwärtskompatibel, nur mit Herstellerfreigabe.
API GL-4 / GL-5 Getriebeöle: GL-4 für Schaltgetriebe mit Synchronisierung, GL-5 für hoch belastete Hypoidachsen; LS-Varianten für Sperrdifferenziale.

SAE-Viskosität: Was 5W-30 bedeutet

Die SAE-Klasse beschreibt das Fließverhalten des Öls. Die Zahl vor dem W (Winter) steht für die Kälteeigenschaften: Je kleiner, desto besser pumpt und schmiert das Öl beim Kaltstart (0W bis etwa −40 °C, 5W bis −35 °C, 10W bis −30 °C, 15W bis −25 °C). Die Zahl dahinter beschreibt die Viskosität bei 100 °C Betriebstemperatur: 20 ist dünnflüssig und spart Kraftstoff, 40 bildet einen dickeren Schmierfilm.

Für moderne Motoren wichtiger als die Nennviskosität ist die HTHS-Viskosität (High Temperature High Shear bei 150 °C): Öle mit HTHS ≥ 3,5 mPa·s (ACEA A3/B4, C3, C4) sind robust, Öle mit abgesenkter HTHS (A5/B5, C2, C5, C6, FA-4) sparen Kraftstoff, dürfen aber nur mit Freigabe verwendet werden. Deshalb ist „5W-30“ allein keine ausreichende Angabe – ein 5W-30 nach C2 und eines nach C3 sind nicht austauschbar.

Longlife oder Festintervall, Low-SAPS oder Full-SAPS?

Longlife-Öle sind für flexible, sensorgesteuerte Wartungsintervalle bis 30.000 km (PKW) bzw. 150.000 km (LKW) ausgelegt. Sie sind alterungsstabiler und meist abwärtskompatibel zu den Festintervall-Normen desselben Herstellers. Beispiele: VW 504.00/507.00, MB 229.5/229.51, BMW Longlife-01/-04, MB 228.5/228.51, MAN M 3277/M 3477.

Low-SAPS-Öle enthalten weniger Sulfatasche, Phosphor und Schwefel. Asche setzt Partikelfilter zu, Phosphor und Schwefel schädigen Katalysatoren. Alle Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinpartikelfilter brauchen deshalb ein Öl der ACEA C-Klassen (PKW) bzw. E6/E8/E9/E11 (LKW). Ein Full-SAPS-Öl nach A3/B4 oder E4/E7 ist für Motoren ohne Partikelfilter richtig und dort oft die robustere Wahl.

Freigabe, Leistungsklasse oder Empfehlung – was steht im Datenblatt?

Schmierstoffhersteller unterscheiden im technischen Datenblatt drei Stufen. Genau diese Stufen übernehmen Ölfinder und Freigabe-Matrix auf dieser Seite:

  • Offizielle Freigabe (Approval): Der Fahrzeughersteller hat das Öl geprüft und in seine Freigabeliste aufgenommen. Bei Garantie- und Kulanzfragen ist das die sicherste Wahl.
  • Leistungsklasse / erfüllt (Performance Level): Das Öl erfüllt laut Schmierstoffhersteller die technischen Anforderungen der Norm, wurde aber nicht formal vom Fahrzeughersteller gelistet – häufig bei älteren Normen oder Nischenherstellern.
  • Einsatzempfehlung: Der Schmierstoffhersteller empfiehlt das Öl für bestimmte Fahrzeuge oder Anwendungen, ohne eine Norm zu nennen.

Daneben stehen Industriespezifikationen wie ACEA oder API: Sie beschreiben die Leistungsklasse des Öls unabhängig vom Fahrzeughersteller. Viele Betriebsanleitungen nennen nur eine ACEA-Klasse – dann ist diese Klasse zusammen mit der Viskosität das Auswahlkriterium.

Die wichtigsten Hersteller-Normen im Überblick

VW-Gruppe (VW, Audi, Seat, Skoda, Cupra)

  • 504.00/507.00: Longlife III, Low-SAPS (C3), 0W-30/5W-30, für Benziner und Diesel mit DPF – ersetzt 503.00/506.00/506.01.
  • 508.00/509.00: Longlife IV, 0W-20 (C5), nur für ausdrücklich freigegebene Motoren ab ca. 2017.
  • 502.00/505.00: Festintervall für Benziner (502) und Diesel ohne DPF (505); 505.01 für Pumpe-Düse-Diesel; 501.01/500.00 für ältere Motoren.

Mercedes-Benz

  • 229.51 (Low-SAPS Longlife, C3), 229.52 (zusätzlich kraftstoffsparend, Vorgabe für neuere Diesel), 229.31 (Low-SAPS Festintervall).
  • 229.5 und 229.3 (Longlife A3/B4 ohne DPF), 229.1 (Grundnorm), 229.71/229.72 (0W-20), 226.51/226.52 (Renault-Motoren).

BMW / Mini

  • Longlife-01 (A3/B4 ohne Partikelfilter), Longlife-04 (Low-SAPS C3 mit DPF/OPF), Longlife-17 FE+ (0W-20 für neuere Motoren).

Ford

  • WSS-M2C913-C/D (5W-30 A5/B5), WSS-M2C948-B (5W-20 EcoBoost), WSS-M2C950-A (0W-30 C2 Diesel), WSS-M2C934-B (5W-30 C1 Diesel mit DPF), WSS-M2C917-A (5W-40 Pumpe-Düse), WSS-M2C956-A1/962-A (0W-20).

Opel / Vauxhall

  • GM dexos2 (Low-SAPS 5W-30 ab 2010), OV 040 1547-G30/-D30/-A20 (Stellantis-Ära: Benzin/Diesel/0W-20), GM-LL-A-025/B-025 (ältere Benziner/Diesel).

Peugeot / Citroën / DS

  • B71 2290 (5W-30 C2/C3), B71 2312 (0W-30 C2), B71 2010 (0W-20), B71 2296/2300 (A3/B4 ohne DPF), B71 2297 (5W-30 neuere Motoren).

Renault / Dacia / Nissan

  • RN 0700 (Standard), RN 0710 (höhere Anforderungen, Turbo-Benziner), RN 0720 (Diesel mit DPF, C4), RN17 (neuere Motoren mit Partikelfilter, C3), RN17 FE (0W-20).

Fiat / Alfa Romeo / Jeep (FCA 9.55535)

  • S1 (5W-30 C2), S2 (5W-40 C3), S3 (5W-30 C3), S4 (C4), G2/H2/N2 (Benziner ohne Partikelfilter), M2/D2 (Diesel ohne DPF), GS1/DS1 (0W-30 C2), CR1/DM1 (0W-20), H3 (10W-60).

Nutzfahrzeuge

  • Mercedes-Benz 228.3 (E7), 228.5 (E4 Long-Drain), 228.31 (E9 Low-SAPS), 228.51 (E6 Low-SAPS Long-Drain), 228.52, 228.61 (FA-4/F01), 228.71 (0W-20) – als DTFR 15B110, 15B120, 15C100, 15C110, 15C120, 15C130, 15C140.
  • MAN M 3275 (E7), M 3277 (E4 Long-Drain), M 3477 (E6 Low-SAPS), M 3575 (E9), M 3677 (Long-Drain Euro VI), M 3775 (E8/E11), M 3977 (5W-20).
  • Volvo VDS-3 (E7/E4), VDS-4 (E9), VDS-4.5 (Euro VI), VDS-5 (FA-4) · Renault Trucks RLD-2, RLD-3, RLD-4, RLD-5 · Scania LDF-3, LDF-4, LDF-5, Low Ash · DAF PSQL 2.1E, Extended Drain · Iveco 18-1804 (T2 E7, T3 E4, TLS E6/E9, TFE).
  • Motorenhersteller: Cummins CES 20076/77/78 (ohne DPF), 20081 (CJ-4), 20086 (CK-4), 20087 (FA-4) · Deutz DQC I–IV, LA = Low Ash · MTU Kategorie 1/2/2.1/3/3.1 · CAT ECF-1a/2/3 · Detroit Diesel DFS 93K215/218/222/223.

Landtechnik

  • UTTO: John Deere JDM J20C/J20D, CNH MAT 3525/3526 (Case IH, New Holland, Steyr), Massey Ferguson CMS M1135/M1141/M1143/M1145, AGCO Powerfluid 821 XL, Fendt Vario, SDFG OT-1891 (Deutz-Fahr, SAME, Lamborghini), Kubota UDT, Volvo WB-101, ZF TE-ML 03E/05F/06B/17E/21F.
  • STOU: API CG-4/GL-4, ZF TE-ML 06B/07B, John Deere JDM J27, MF CMS M1139/M1144, SDFG OU-1391 · Motoröl: ACEA E7/E9/E11, Deutz DQC, CNH MAT 3507/3520/3521/3571/3622, SDFG OM-1901A.

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Häufige Fragen zu Freigaben und Spezifikationen

Ist ACEA C3 dasselbe wie VW 504.00/507.00 oder MB 229.51?
Nein. ACEA C3 ist die Basisklasse; VW 504.00/507.00, MB 229.51 und BMW Longlife-04 verlangen zusätzliche Herstellerprüfungen. Jedes 504.00/507.00-Öl ist ein C3-Öl, aber nicht jedes C3-Öl hat die VW-Freigabe.
Ersetzt API SP die ACEA-Klassen?
Nein. API bewertet vor allem Benzinmotoren nach US-Prüfläufen, ACEA europäische Benzin- und Dieselmotoren inklusive Partikelfilter-Tauglichkeit. Europäische Hersteller schreiben ACEA-Klassen oder eigene Normen vor; API- und ILSAC-Klassen sind für asiatische und US-Fahrzeuge maßgeblich.
Was bedeutet „abwärtskompatibel“?
Ein Öl einer neueren Norm darf in Motoren eingesetzt werden, die eine ältere Norm desselben Herstellers fordern – z. B. MB 229.51 statt 229.31 oder API CK-4 statt CJ-4. Ausnahmen sind niedrigviskose Fuel-Economy-Öle (VW 508/509, API FA-4, ACEA C5/C6), die nicht abwärtskompatibel sind.
Warum stehen im Datenblatt „Freigaben“ und „Leistungsklassen“ getrennt?
Freigaben sind vom Fahrzeughersteller bestätigt und gelistet; Leistungsklassen erfüllt das Öl laut Schmierstoffhersteller ohne formale Listung. Unser Ölfinder und die Freigabe-Matrix übernehmen diese Unterscheidung eins zu eins aus den Datenblättern.
Wo sehe ich, welche Öle eine bestimmte Freigabe haben?
Im Ölfinder (rechts bzw. weiter unten) wählen Sie Fahrzeugtyp, Hersteller und Freigabe – oder geben die Norm direkt ein. Die Freigabe-Matrizen auf den PKW-, LKW- und Traktorseiten zeigen alle Zuordnungen je Viskosität.

Wichtige Hinweise

  • Maßgeblich ist immer die Vorgabe des Fahrzeug- bzw. Maschinenherstellers in Betriebsanleitung oder Serviceheft. Prüfen Sie die dort geforderte Freigabe und Viskosität, bevor Sie ein Öl einfüllen.
  • Als Freigabe kennzeichnen wir nur Normen, die der Schmierstoffhersteller im Datenblatt ausdrücklich als offizielle Freigabe bzw. Zulassung führt. „Erfüllt“ bedeutet: Der Hersteller nennt die Norm als Leistungsklasse oder Einsatzempfehlung ohne formale Freigabe.
  • Alle genannten Hersteller-Normen, Marken und Produktbezeichnungen (z. B. VW, Mercedes-Benz, BMW, Ford, Opel, Peugeot, Renault, Fiat, MAN, Volvo, Scania, DAF, Iveco, John Deere, CNH, Massey Ferguson, Fendt, Deutz-Fahr, ZF) sind Eigentum der jeweiligen Inhaber und dienen ausschließlich der Beschreibung der Eignung. Es besteht keine geschäftliche Verbindung zwischen WIFRA und diesen Fahrzeug- bzw. Maschinenherstellern.

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